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Das steinerne Herz

Versteckt in den dichten Wäldern ruht ein monumentales Zeugnis der Industriegeschichte. Dieser ehemalige Steinbruch, einst pulsierendes Zentrum der Rohstoffgewinnung, ist heute eine Kathedrale aus Granit und Rost.

Die Erschließung des Geländes begann in einer Ära, als der Bedarf an hochwertigem Baumaterial für die rasant wachsenden Städte sprunghaft anstieg. Über Jahrzehnte hinweg war der Standort ein entscheidender Wirtschaftsfaktor der Region. Hier wurde nicht nur abgebaut, sondern mit Präzision veredelt. Mit dem Aufkommen günstigerer Importmaterialien und veränderten Umweltauflagen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann der langsame Rückzug. Die schweren Maschinen verstummten, und die Natur begann, sich die massiven Einschnitte im Berg zurückzuholen.

Wir finden die Ruinen der Brecher- und Siebanlagen, die für die Fraktionierung des Gesteins zuständig waren. Überreste von Verladestationen und Fundamente ehemaliger Seilbahn- oder Schienensysteme, die das Material ins Tal beförderten. In den Hallen finden sich teils noch massive Elektro-Motoren, alte LKW und Reste von Förderbändern, die dem Zahn der Zeit trotzen. Heute ist das Areal ein Ort der Stille. Während die massiven Steinhallen langsam von Moos und Farnen überwuchert werden, bieten die tiefen Abgründe des Bruchs eine beklemmende, aber faszinierende Kulisse. Die Statik der verbliebenen Gebäude ist kritisch, Korrosion hat die Stahlträger der Förderanlage fest im Griff.

Herz der Finsternis

Die Ursprünge dieses Areals reichen bis in die Blütezeit der Industrialisierung zurück. Ende des 19. Jahrhunderts als strategisch wichtiger Produktionsstandort errichtet, prägte der Komplex über Jahrzehnte das soziale und wirtschaftliche Gefüge der gesamten Region.
Die Schächte erreichten eine Tiefe von über 1.100 Metern und in Spitzenzeiten wurde hier jährlich 1,2 Millionen Tonnen Kohle gefördert. 4.00 Bergleute fanden hier Lohn und Brot.

Mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der späten 90er Jahre verlor das Werk seine Relevanz. Was einst ein Motor des Fortschritts war, wurde innerhalb weniger Monate stillgelegt.
Vor etwa vier Jahrzehnten verstummten die Maschinen im Haupttrakt endgültig. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde auch der letzte Funke in den tiefsten Schächten gelöscht.

Seit der Versiegelung der Tore hat sich die Natur das Gelände Stück für Stück zurückgeholt. Der heutige Zustand ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus monumentaler Architektur und schleichendem Verfall. Es gab erste Spuren von Vandalismus und Metalldiebstahl, die Substanz blieb jedoch weitgehend stabil. Aber nach dem Einsturz erster Dachteile folgte eine massive Durchfeuchtung der unteren Etagen.
Heute ist die Anlage ein Ort der Kontraste. Während ein Teil der Gebäude als mahnendes Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, gibt es jene Sektoren, die das Licht der Scheinwerfer meiden. In den vergessenen Hallen, regiert die Stille.

Scharfe Kanten aus rostigem Stahl, zerbrochene Glasdächer, die den Blick auf einen grauen Himmel freigeben, und die allgegenwärtige Feuchtigkeit machen diesen Ort zu einem gefährlichen, aber faszinierenden Zeugen einer vergangenen Epoche. Wir müssen sehr vorsichtig sein um all diese Etagen zu erforschen. Aber es gelang und dieser Ort war damit einer der eindrucksvollsten dieser Art.

Zeche

Diese Zeche verkörpert die industrielle Blüte und den Niedergang des Kohlebergbaus in der Region. Von ihrer Gründung ab 1900 bis zur Schließung kurz nach der Jahrtausendwende förderte sie Millionen Tonnen Kohle und prägte die Wirtschaft und das Leben Tausender.
Die Katastrophe in den 1980er Jahren, als hier einen Explosion viele Todesopfer forderte, unterstreicht die Risiken des Bergbaus.
Heute dient das Gelände als Mahnmal für die Bergbaugeschichte, mit Potenzial für museale Nutzung, das jedoch ungenutzt bleibt.

Silbernaal

Silbernaal war im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein hochmoderner Industriekomplex. Was heute wie ein verlassenes Waldstück zwischen Wildemann und Bad Grund wirkt, war einst laut von Pochwerken, Dampfmaschinen und rangierenden Zügen – einer der pulsierenden Wirtschaftsmotoren des Oberharzes.

Der Name „Silbernaal“ leitet sich etymologisch wahrscheinlich von „Silberner Nagel“ ab, was auf die Reinheit und den Reichtum der dortigen Erze hindeutet. Eine lokale Sage erzählt jedoch eine bildhaftere Geschichte: Ein Bergmann soll eine mächtige Silberader entdeckt haben, die sich wie ein Aal durch den Berg wand. Auch wurde berichtet, dass das anstehende Erz im Flussbett der Innerste wie ein Fisch silbrig blinkte.
Das Herzstück der Anlage war der Medingschacht, benannt nach dem hannoverschen Berghauptmann Franz August von Meding. Er wurde 1829 abgeteuft, um den „Silbernaaler Gangzug“ in der Tiefe zu erschließen.

Der Schacht erreichte eine Tiefe von über 500 Metern. Hier wurde 1902 eine der ersten elektrischen Fördermaschinen des Harzes installiert – ein Meilenstein der Technikgeschichte.

Unter Tage war die Grube später mit der Grube Hilfe Gottes (Bad Grund) verbunden. 1923 fusionierten diese Gruben zum Erzbergwerk Grund (Preussag).

Die „Industrie-Kathedrale“

Was den Standort Silbernaal optisch prägte, war die massive Erzaufbereitung, die sich am Hang und im Tal erstreckte. Genau hier schließt sich der Kreis zu Ihrer vorherigen Frage nach den „Kläranlagen“. Das aus dem Medingschacht geförderte Roherz wurde hier mechanisch zerkleinert und gewaschen. Es kamen Pochwerke und später Kugelmühlen zum Einsatz. Das Herzstück der Wasserklärung waren riesige Spitzkästen und Setzmaschinen. Das graue, trübe Prozesswasser wurde in großen Teichen und Becken geklärt, bevor es in die Innerste geleitet wurde.

Mit der Zentralisierung der Aufbereitung im Werk Hilfe Gottes verlor die veraltete Anlage in Silbernaal an Bedeutung. Bereits um 1931 wurde der Betrieb der Aufbereitung in Silbernaal weitgehend eingestellt. Die Gebäude standen fortan leer und verfielen oder wurden abgerissen.

Nach dem Ende des aktiven Bergbaus im Oberharz (die letzte Schicht im Erzbergwerk Grund fuhr 1992) ist Silbernaal heute ein Ort der Industrieruinen und der Naturrückgewinnung. Der Schacht wurde 1967/1986 verfüllt und mit einer Betonplatte verschlossen. Man findet im Wald noch Fundamente der Aufbereitung, Reste von Mauern, verrostete Metallteile und die Ruine des alten Trafohauses/Schalthauses.

 

 

Schachtanlage

Diese Anlage gehörte einmal zu einem Kalibergwerk, das hier vor über 100 Jahren gegründet wurde. Der Schacht ist schon lange nicht mehr zugänglich nur dieses Gebäude ist noch geblieben.