Silbernaal war im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein hochmoderner Industriekomplex. Was heute wie ein verlassenes Waldstück zwischen Wildemann und Bad Grund wirkt, war einst laut von Pochwerken, Dampfmaschinen und rangierenden Zügen – einer der pulsierenden Wirtschaftsmotoren des Oberharzes.
Der Name „Silbernaal“ leitet sich etymologisch wahrscheinlich von „Silberner Nagel“ ab, was auf die Reinheit und den Reichtum der dortigen Erze hindeutet. Eine lokale Sage erzählt jedoch eine bildhaftere Geschichte: Ein Bergmann soll eine mächtige Silberader entdeckt haben, die sich wie ein Aal durch den Berg wand. Auch wurde berichtet, dass das anstehende Erz im Flussbett der Innerste wie ein Fisch silbrig blinkte.
Das Herzstück der Anlage war der Medingschacht, benannt nach dem hannoverschen Berghauptmann Franz August von Meding. Er wurde 1829 abgeteuft, um den „Silbernaaler Gangzug“ in der Tiefe zu erschließen.
Der Schacht erreichte eine Tiefe von über 500 Metern. Hier wurde 1902 eine der ersten elektrischen Fördermaschinen des Harzes installiert – ein Meilenstein der Technikgeschichte.
Unter Tage war die Grube später mit der Grube Hilfe Gottes (Bad Grund) verbunden. 1923 fusionierten diese Gruben zum Erzbergwerk Grund (Preussag).
Die „Industrie-Kathedrale“
Was den Standort Silbernaal optisch prägte, war die massive Erzaufbereitung, die sich am Hang und im Tal erstreckte. Genau hier schließt sich der Kreis zu Ihrer vorherigen Frage nach den „Kläranlagen“. Das aus dem Medingschacht geförderte Roherz wurde hier mechanisch zerkleinert und gewaschen. Es kamen Pochwerke und später Kugelmühlen zum Einsatz. Das Herzstück der Wasserklärung waren riesige Spitzkästen und Setzmaschinen. Das graue, trübe Prozesswasser wurde in großen Teichen und Becken geklärt, bevor es in die Innerste geleitet wurde.
Mit der Zentralisierung der Aufbereitung im Werk Hilfe Gottes verlor die veraltete Anlage in Silbernaal an Bedeutung. Bereits um 1931 wurde der Betrieb der Aufbereitung in Silbernaal weitgehend eingestellt. Die Gebäude standen fortan leer und verfielen oder wurden abgerissen.
Nach dem Ende des aktiven Bergbaus im Oberharz (die letzte Schicht im Erzbergwerk Grund fuhr 1992) ist Silbernaal heute ein Ort der Industrieruinen und der Naturrückgewinnung. Der Schacht wurde 1967/1986 verfüllt und mit einer Betonplatte verschlossen. Man findet im Wald noch Fundamente der Aufbereitung, Reste von Mauern, verrostete Metallteile und die Ruine des alten Trafohauses/Schalthauses.

















