Vergessene Leuchtkraft

Einst war der VEB das Herzstück der ostdeutschen Lichtkultur aber heute, seit über drei Jahrzehnten sind die Hallen dem Verfall preisgegeben. Während einige Nebengebäude zwischenzeitlich abgerissen oder anderweitig genutzt wurden, bleibt der Kernbereich verlassen, gezeichnet von Vandalismus, Brandstiftung, aber auch faszinierender Vergänglichkeit.

Die Wurzeln des Standorts reichen weit zurück in das 19. Jahrhundert, als die Glasindustrie in der Region durch den Boom neuer Fertigungsmethoden rasant wuchs. Was einst als klassische, privates Unternehmen für Glasveredlung und Formenbau begann, entwickelte sich schnell zu einem unverzichtbaren Zulieferer für Beleuchtungskomponenten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der darauffolgenden Enteignungswelle in der sowjetischen Besatzungszone wurde der Betrieb in einen VEB umgewandelt. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Werk stetig erweitert. In den 1970er und 1980er Jahren ging der Betrieb im mächtigen Kombinat der Sparte Glas auf. Als spezialisierter Betriebsteil der Vereinigten Beleuchtungsglaswerke versorgte der Standort nicht nur die DDR mit Lampenschirmen und Wohnraumleuchten, sondern produzierte auch hochwertige Waren für den Export.

Zum Einsatz kamen sowohl traditionelle, mundgeblasene Verfahren als auch teil- und vollautomatische moderne Glasmaschinen. Das Werk verfügte über eigene, hochgradig spezialisierte Ofenanlagen sowie eigene Gießerei.

Mit dem politischen Umbruch 1989/1990 kam der abrupte Wendepunkt. Der Übergang zur Marktwirtschaft unter der Treuhandanstalt misslang. Der VEB wird privatisiert und in eine GmbH umgewandelt. Doch die Verträge sind wackelig, und die alten Absatzmärkte im Osten brechen schlagartig weg. 1991 erlischt der erste Ofen und ein Jahr später dann kam das endgültige Aus.