Herz der Finsternis

Die Ursprünge dieses Areals reichen bis in die Blütezeit der Industrialisierung zurück. Ende des 19. Jahrhunderts als strategisch wichtiger Produktionsstandort errichtet, prägte der Komplex über Jahrzehnte das soziale und wirtschaftliche Gefüge der gesamten Region.
Die Schächte erreichten eine Tiefe von über 1.100 Metern und in Spitzenzeiten wurde hier jährlich 1,2 Millionen Tonnen Kohle gefördert. 4.00 Bergleute fanden hier Lohn und Brot.

Mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der späten 90er Jahre verlor das Werk seine Relevanz. Was einst ein Motor des Fortschritts war, wurde innerhalb weniger Monate stillgelegt.
Vor etwa vier Jahrzehnten verstummten die Maschinen im Haupttrakt endgültig. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde auch der letzte Funke in den tiefsten Schächten gelöscht.

Seit der Versiegelung der Tore hat sich die Natur das Gelände Stück für Stück zurückgeholt. Der heutige Zustand ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus monumentaler Architektur und schleichendem Verfall. Es gab erste Spuren von Vandalismus und Metalldiebstahl, die Substanz blieb jedoch weitgehend stabil. Aber nach dem Einsturz erster Dachteile folgte eine massive Durchfeuchtung der unteren Etagen.
Heute ist die Anlage ein Ort der Kontraste. Während ein Teil der Gebäude als mahnendes Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, gibt es jene Sektoren, die das Licht der Scheinwerfer meiden. In den vergessenen Hallen, regiert die Stille.

Scharfe Kanten aus rostigem Stahl, zerbrochene Glasdächer, die den Blick auf einen grauen Himmel freigeben, und die allgegenwärtige Feuchtigkeit machen diesen Ort zu einem gefährlichen, aber faszinierenden Zeugen einer vergangenen Epoche. Wir müssen sehr vorsichtig sein um all diese Etagen zu erforschen. Aber es gelang und dieser Ort war damit einer der eindrucksvollsten dieser Art.

Zeche

Diese Zeche verkörpert die industrielle Blüte und den Niedergang des Kohlebergbaus in der Region. Von ihrer Gründung ab 1900 bis zur Schließung kurz nach der Jahrtausendwende förderte sie Millionen Tonnen Kohle und prägte die Wirtschaft und das Leben Tausender.
Die Katastrophe in den 1980er Jahren, als hier einen Explosion viele Todesopfer forderte, unterstreicht die Risiken des Bergbaus.
Heute dient das Gelände als Mahnmal für die Bergbaugeschichte, mit Potenzial für museale Nutzung, das jedoch ungenutzt bleibt.

Flugplatzheizhaus

Dieses Heizhaus diente einst der Flugplatzkaserne zur Wärmeversorgung.

Wir besuchen einen der ältesten Militärstützpunkte, welche schon in Kaiserzeiten errichtet wurde und eine 110-jährige Geschichte hat.
Im 2. Weltkrieg war hier die deutsche Luftwaffe stationiert. Danach übernahm die Rote Armee das Areal und später die polnische Luftwaffe.
Das Heizhaus lieferte Dampf und Wärme für die Wartungshallen. Als sich nach den 1990er Jahren das Militär zurück zog, wurde das Areal zivilisiert. Wie es scheint ruhen aber auch hier die Arbeiten, die Wohngebäude scheinen fast fertig modernisiert worden zu ein, aber die endgültige Fertigstellung steht noch aus.

Wasserwerk

In diesem Ort finden wir das kleine Wasserwerk. Ein kleiner unscheinbarer Bau der am Anfang uninteressant aussieht. Aber ein näherer Blick zeigt, das hier noch alle Einbauten vorhanden sind. Wann es still gelegt oder gebaut wurde, wissen wir nicht.

Kreiskrankenhaus

Das alte Krankenhaus blickt auf eine sehr bewegte Geschichte zurück – von seiner stolzen Gründung im 19. Jahrhundert über die schwierige Nachkriegszeit bis hin zu seinem tragischen Niedergang in der jüngeren Vergangenheit.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts verfügte die Region nicht über kein eigenes Krankenhaus, was die medizinische Versorgung der lokalen Bevölkerung oft vor große Herausforderungen stellte. Der Bau des Kreiskrankenhauses ging auf die Initiative des damaligen Landrats zurück. Finanziert wurde das Projekt vollständig aus Kreisgeldern. Es entstand ein schlichter, aber geschmackvoller Bau inspiriert von modernen Vorbildern bot die Einrichtung vielen Kranken eine bis dato nicht dagewesene kostenlose medizinische Hilfe und professionelle Pflege.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann ein gänzlich neues Kapitel für das Krankenhausgebäude.
Das durch die Kriegsereignisse verwüstete Gebäude wurde von der sowjetischen Armee an die polnische Verwaltung übergeben.
Der Wiederaufbau der medizinischen Versorgung in der Stadt wurde maßgeblich von zwei Ärzten vorangetrieben. Sie organisierten unter widrigsten materiellen Bedingungen den neuen Krankenhausbetrieb in den alten Gemäuern.

In den folgenden Jahrzehnten fungierte die Einrichtung als zentrales Kreiskrankenhaus. Es beherbergte verschiedene Fachabteilungen und war besonders für seine Chirurgie überregional geschätzt.

Im 21. Jahrhundert geriet das Kreiskrankenhaus in erhebliche finanzielle und strukturelle Schwierigkeiten. Um das chronisch defizitäre Krankenhaus zu retten, verkaufte der Landkreis vor rund einem Jahrzehnt an eine private medizinische Aktiengesellschaft. Die erhoffte finanzielle Rettung blieb jedoch aus. Vor rund 10 Jahren meldete die Betreibergesellschaft Insolvenz an. Das medizinische Personal sah sich gezwungen, die Einrichtung zu verlassen, da Gehälter nicht mehr gezahlt werden konnten. Kurz darauf wurde das Krankenhaus endgültig und geschlossen. Seit der endgültigen Schließung steht das Gebäude komplett leer und verfällt zunehmend.

Gießerei

Die Firmengeschichte geht auf das neunzehnte Jahrhundert zurück, als hier eine Maschinenfabrik, Kesselschmiede und Eisengießerei gegründet wurde. Die Fabrik spezialisierte sich auf die Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen, Brauereiausrüstung und Kältetechnik. Nach 1945 wurde die Firma verstaatlicht.

In den 1990er Jahren wurde die Gießerei modernisiert geriet aber bald in Schwierigkeiten und wurde zur Abwicklung bestimmt. Die Arbeiter kämpften für den Erhalt des Standortes und wurden dabei auch durch die Gewerkschaft unterstützt. Ende des 20. Jahrhunderts gründete sich dann eine neue Gesellschaft, die auch einen strategischen Investor fand und vor 25 Jahren dann wieder mit der Produktion begann. Diese besuchte Halle wurde scheinbar vor rund 5 Jahren aufgegeben, da hier die Kalender dieses Datum zeigen. Aber es scheint so, als ob hier sogar die Produktion wieder aufgenommen werden könnte. Alles ist noch da und zeigt den Zustand des letzten Arbeitstages.

Silbernaal

Silbernaal war im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein hochmoderner Industriekomplex. Was heute wie ein verlassenes Waldstück zwischen Wildemann und Bad Grund wirkt, war einst laut von Pochwerken, Dampfmaschinen und rangierenden Zügen – einer der pulsierenden Wirtschaftsmotoren des Oberharzes.

Der Name „Silbernaal“ leitet sich etymologisch wahrscheinlich von „Silberner Nagel“ ab, was auf die Reinheit und den Reichtum der dortigen Erze hindeutet. Eine lokale Sage erzählt jedoch eine bildhaftere Geschichte: Ein Bergmann soll eine mächtige Silberader entdeckt haben, die sich wie ein Aal durch den Berg wand. Auch wurde berichtet, dass das anstehende Erz im Flussbett der Innerste wie ein Fisch silbrig blinkte.
Das Herzstück der Anlage war der Medingschacht, benannt nach dem hannoverschen Berghauptmann Franz August von Meding. Er wurde 1829 abgeteuft, um den „Silbernaaler Gangzug“ in der Tiefe zu erschließen.

Der Schacht erreichte eine Tiefe von über 500 Metern. Hier wurde 1902 eine der ersten elektrischen Fördermaschinen des Harzes installiert – ein Meilenstein der Technikgeschichte.

Unter Tage war die Grube später mit der Grube Hilfe Gottes (Bad Grund) verbunden. 1923 fusionierten diese Gruben zum Erzbergwerk Grund (Preussag).

Die „Industrie-Kathedrale“

Was den Standort Silbernaal optisch prägte, war die massive Erzaufbereitung, die sich am Hang und im Tal erstreckte. Genau hier schließt sich der Kreis zu Ihrer vorherigen Frage nach den „Kläranlagen“. Das aus dem Medingschacht geförderte Roherz wurde hier mechanisch zerkleinert und gewaschen. Es kamen Pochwerke und später Kugelmühlen zum Einsatz. Das Herzstück der Wasserklärung waren riesige Spitzkästen und Setzmaschinen. Das graue, trübe Prozesswasser wurde in großen Teichen und Becken geklärt, bevor es in die Innerste geleitet wurde.

Mit der Zentralisierung der Aufbereitung im Werk Hilfe Gottes verlor die veraltete Anlage in Silbernaal an Bedeutung. Bereits um 1931 wurde der Betrieb der Aufbereitung in Silbernaal weitgehend eingestellt. Die Gebäude standen fortan leer und verfielen oder wurden abgerissen.

Nach dem Ende des aktiven Bergbaus im Oberharz (die letzte Schicht im Erzbergwerk Grund fuhr 1992) ist Silbernaal heute ein Ort der Industrieruinen und der Naturrückgewinnung. Der Schacht wurde 1967/1986 verfüllt und mit einer Betonplatte verschlossen. Man findet im Wald noch Fundamente der Aufbereitung, Reste von Mauern, verrostete Metallteile und die Ruine des alten Trafohauses/Schalthauses.

 

 

Bahnwerk

Das Bahnwerk war das Herzstück der Eisenbahnlinie, die 1900 eröffnet wurde. Da das Werk geografisch in der Mitte der Strecke lag, bot sich der Standort ideal für die Wartung an. Hier wurden Instandhaltungsarbeiten von Dampflokomotiven, später Dieseltriebwagen und Waggons durchgeführt.

Der Lokschuppen war ausgestattet mit Schmiede, Schlosserei und Gruben für die Unterseite der Fahrzeuge. Wie viele Nebenbahnen litt auch diese Strecke unter dem Strukturwandel. Bereits in den 1960er und 70er Jahren verlor die Strecke an Bedeutung. Mit der schrittweisen Stilllegung der Strecke, besonders nach Schäden an einer Brücke, verlor das Bahnwerk seine Funktion. Teile des Geländes sind verfallen, Schienen sind überwuchert und wurden sogar entfernt, und die Natur erobert sich die Industriebauten zurück. Es gab und gibt immer wieder Bestrebungen von Vereinen, Fahrzeuge zu erhalten oder das Gelände museal zu nutzen.

Abenteuerzug

Dieses Gleis führte einmal zu einem Zementwerk, welches aber schon viele Jahre nicht mehr in Betrieb ist. Dann wurden hier Draisinenfahrten angeboten, bei unserem Besuch war aber hiervon nichts zu sehen. Auch gibt es keine Einträge in den einschlägigen Quellen. Scheinbar sollte der Abenteuerzug hier auch als Unterkunft umgebaut werden, dies ist aber in den Anfängen stecken geblieben. Weiter alte Eisenbahnwaggons warten hier auch auf ein Rettung die aber wahrscheinlich ausbleiben wird, mittlerweile holt sich die Natur diese zurück, was ein kleiner Baum schon erfolgreich getan hat.

 

Kurklinik

Die Klinik war einst das Aushängeschild des Kurviertels. Es fungierte über Jahrzehnte als Sanatorium und Kurklinik. In der Hochphase des deutschen Kurwesens (60er bis 80er Jahre) war das Haus ein gehobenes Ziel für Kurgäste, die zur Erholung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen kamen.

Mit der großen Gesundheitsreform 1996 brach der Markt für Kuren massiv ein. Viele Häuser gerieten in finanzielle Schieflage. Darauf hin wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. Der Klinikbetrieb in diesem speziellen Gebäude wurde schließlich eingestellt.
Nach dem Auszug des Klinikbetriebs wurde das Gebäude teilweise als Hotel oder Apartmenthaus zwischengenutzt, doch die Investitionen blieben aus. Seit vielen Jahren steht der Komplex nun komplett leer. Vandalismus, Wasserschäden und der natürliche Verfall haben das Gebäude gezeichnet.

Heute steht das Gebäude oft in der Kritik, da es als „Schandfleck“ direkt am Eingangsbereich der Kurzone wahrgenommen wurde. Es gab diverse Pläne, wie etwa Abriss um Platz für moderne Hotels oder Wohnanlagen zu schaffen. Mehrere Investoren versprachen Großprojekte, doch bisher scheiterten diese Pläne meist an der Finanzierung oder den enormen Sanierungskosten.