Der Bunker Gosen wird auch als Objekt 17/201 geführt. Er ist eines der faszinierendsten Relikte des Kalten Krieges auf deutschem Boden. Als ehemaliges Ausweichquartier der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) – des legendären Auslandsnachrichtendienstes der DDR unter Markus Wolf – war er eines der bestgehüteten Geheimnisse des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).
Die Anlage befindet sich in einem Waldgebiet bei Gosen, östlich von Berlin. Sie wurde in den 1980er Jahren errichtet, um im Falle eines (nuklearen) Krieges oder eines innerstaatlichen Ausnahmezustands die Führungsfähigkeit der HVA sicherzustellen. Von hier aus hätten die Spionageaktivitäten im Ausland koordiniert werden sollen.
Der Bunker ist ein zweietagiges Bauwerk vom Typ 7000, das nach den modernsten Standards der damaligen Zeit errichtet wurde. Die Sohle liegt etwa 10 bis 12 Meter unter der Erdoberfläche. Die Anlage war gasdicht und verfügte über ein autarkes Belüftungssystem mit Sandfiltern. Ausgelegt für ca. 150 bis 200 hochrangige Mitarbeiter, mit dabei war eine eigene Stromversorgung (Dieselaggregate), Brunnen zur Wasserversorgung, Nachrichtenzentrale und Arbeitsräume für die Führungsspitze. Im Gegensatz zu vielen anderen MfS-Bunkern war Gosen besonders hochwertig ausgestattet, da die HVA als „Elite-Einheit“ galt. Nach außen hin war das Gelände als „Objekt der Zivilverteidigung“ oder Schulungsobjekt getarnt. Es gab oberirdische Funktionsgebäude, die den Zugang zum Bunker kaschierten.
Nach der Wende 1989/90 wurde die Anlage entkernt und gesichert. Da sie nie im Ernstfall genutzt wurde, blieb die Substanz lange Zeit sehr gut erhalten. Aber auch hier hat dann der Vandalismus Einzug gehalten, heute ist der Bunker ein Gedenkort und es werden Führungen angeboten. Da kaum noch Technik vorhanden ist, ist das eine hauptsächlich politisch motivierte Führung unterstützt durch Bilddokumente. Wir haben schon bessere Bunkerführungen miterlebt!
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