Alle Beiträge von

Pier Skulptur

Das Lazika-Projekt wurde 2012 vom damaligen georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili initiiert. Lazika sollte eine futuristische Großstadt und ein wirtschaftlich strategischer Tiefseehafen am Schwarzen Meer werden. Nach einem Regierungswechsel im Jahr 2012 wurden die Pläne für die Metropole gestoppt. Das Areal blieb weitgehend unvollendet. Die Skulptur steht heute als ikonisches, aber isoliertes Relikt dieser Ära an der Küste.

Das Bauwerk am Pier besteht komplett aus 8 mm dicken, geschichteten Stahlplatten, die in ovalen Elementen angeordnet sind. Die Skulptur selbst ist exakt 31 Meter hoch und steht auf einer 100 Meter langen Seebrücke aus Beton. Der Turm teilt sich optisch in sieben Ebenen, wobei einige Plattformen wie dynamische Ausläufer weit nach außen ragen. Im Inneren und Äußeren wurden dynamische LED-Lichtbänder integriert, die die Skulptur nachts pulsierend illuminieren sollten.

Sportkomplex

Errichtet in den 1980er-Jahren, tief im westlichen Teil einer ehemaligen Sowjetrepublik gelegen, zeugt dieser gigantische Sportkomplex von den monumentalen Ambitionen einer vergangenen Epoche. Er wurde als zentrales Trainings- und Leistungszentrum konzipiert, um Athleten auf nationale und internationale Wettkämpfe vorzubereiten.

Die Blütezeit währte jedoch nur kurz. Durch den Zusammenbruch des Ostblocks und die schweren bewaffneten Konflikte, die die Region in den frühen 1990er-Jahren erschütterten, wurde die Anlage schlagartig von der Versorgung abgeschnitten. Nach schweren Beschädigungen und der darauffolgenden Wirtschaftskrise wurde der Komplex komplett aufgegeben und der Natur überlassen.

Dieser mehrstöckiger Stahlbeton-Skelettbau mit großflächigen Fensterfronten und markanten geometrischen Dachkonstruktionen fasste eine große, zentrale Sporthalle für Ballsportarten und Leichtathletik mit integrierten Tribünenkonstruktionen aus Beton. Eine separate Schwimmhalle mit einem olympischen 50-Meter-Becken, beide mit Tribünen für mehrere 100 Zuschauer. Angrenzende Trakte für Box-, Ringer- und Gymnastik-Zentren.
Heute präsentiert sich das Areal als Geisterstätte. Die Glasfassaden sind fast vollständig zerstört, das Dach über der Haupthalle ist undicht und lässt Feuchtigkeit in das Gebäude. An der Außenfassade prangt ein riesiges Mosaik von A. Kharebava.

Anaklia

Die Region blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück, die von antiken Siedlungen der Kolchis-Kultur über mittelalterliche Befestigungen bis hin zur osmanischen und russischen Fremdherrschaft reicht. Bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkannten Ingenieure und Ozeanografen des damaligen Staatsapparates das außergewöhnliche Potenzial des Küstenstreifens für die maritime Infrastruktur. Erste konkrete Pläne für ein logistisches Großprojekt wurden geschmiedet und in den 1960er und 1970er Jahren durch Vorstudien untermauert, blieben jedoch aufgrund des späteren Zusammenbruchs des politischen Systems über Jahrzehnte in den Schubladen liegen. Nach der Jahrtausendwende erlebte der Ort eine radikale, aber kurzlebige Transformation. Im Zuge staatlicher Modernisierungsinitiativen sollte hier eine futuristische Planstadt entstehen. Promenaden, Luxushotels und markante architektonische Wahrzeichen wurden in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft, um die Region als touristischen Hotspot und wirtschaftliche Sonderzone zu etablieren.

Die Dynamik wechselte in den letzten anderthalb Jahrzehnten drastisch. Nach einem Regierungswechsel in den 2012er-Jahren wurden die ambitionierten Pläne der Vorgängerregierung zunächst gestoppt. Wenige Jahre später wurde das Projekt als strategischer Knotenpunkt der „Neuen Seidenstraße“ wiederbelebt. Ein westlich geführtes Konsortium begann mit schweren Erdarbeiten und der Marinesand-Aufschüttung. Aufgrund heftiger politischer Verwerfungen, gegenseitiger Sabotagevorwürfe und Finanzierungsstreitigkeiten zwischen den Investoren und dem Staat wurde der Vertrag um das Jahr 2020 herum jedoch fristlos gekündigt. Die Baustelle fror schlagartig ein. In jüngerer Zeit wurden die Karten neu gemischt: Die Rechte zur Weiterführung und zum Management der Infrastruktur wurden an ein Konsortium mit fernöstlicher Beteiligung vergeben, während die maritime Umsetzung an einen spezialisierten europäischen Wasserbauer übertragen wurde.
Das gesamte Areal gleicht heute einer bizarren Mischung aus unvollendetem High-Tech-Hafen und einer touristischen Geisterstadt. Neben den riesigen, kargen Sandflächen des Hafengeländes verfallen die in den Boomjahren errichteten Luxushotels, Clubs und Apartments. Markante architektonische Elemente – wie eine zerfallende, ehemals futuristische Holzbrücke über den Fluss – prägen die Kulisse und machen die Location zu einem Hotspot für morbide Fotografie, an dem der abrupte Stopp eines Milliarden-Investments physisch greifbar ist.

Tower
An einer strategisch wichtigen Flussmündung des Schwarzen Meeres steht ein bizarres Monument der Postmoderne. Als Symbol für den rasanten wirtschaftlichen Aufbruch einer ganzen Region geplant, zieht das Bauwerk heute vor allem Lost-Place-Enthusiasten an. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie kühne Zukunftsvisionen von der Realität eingeholt werden.
Das Bauwerk wurde im Zuge eines massiven regionalen Strukturprogramms von einem renommierten deutschen Architekturbüro entworfen. Ziel war es, ein architektonisches Ausrufezeichen an einer zuvor unberührten Küste zu setzen. Das Bauwerk ragt rund 75 Meter in den Himmel. Geplant als multifunktionaler Komplex. Die oberen Etagen sollten ein exklusives Restaurant mit 360-Grad-Panorama-Plattform beherbergen, während die Basis für touristische Infrastruktur vorgesehen war. Eine geschwungene Fußgängerbrücke aus Glas, Holz und Stahl verbindet das Areal direkt mit der angrenzenden Küstenpromenade.

Die feierliche Eröffnung liegt nur wenige Jahre zurück, doch der Glanz hielt nicht lange. Durch politische Umbrüche, den Stopp von Großprojekten in der unmittelbaren Umgebung und ausbleibende Investoren versiegten die Gelder für den laufenden Betrieb im Rekordtempo. Heute steht der Turm komplett leer. Das subtropische, feuchte Meeresklima setzt der Bausubstanz massiv zu. Im Inneren sind die futuristischen Räume komplett entkernt, von Vandalismus gezeichnet und dem Verfall preisgegeben. Die Panoramafenster bieten statt Luxusflair nur noch einen melancholischen Blick auf eine unvollendete Zukunft.

Hotel „Golden Fleece“
Ein weiteres Zeichen dieses Niedergangs ist das Hotel. Das Megaprojekt wurde im Zuge einer großflächigen, politisch motivierten Strukturreform aus dem Boden gestampft. Die Vision war es, ein unbedeutendes Küstendorf innerhalb kürzester Zeit in ein exklusives High-End-Urlaubsressort und ein logistisches Drehkreuz zu verwandeln. Zur Eröffnung wurde das Resort mit internationaler Presse und Pomp als neue Top-Destination gefeiert. Doch der Glanz wog trügerisch. Ein politischer Machtwechsel im Land führte dazu, dass fast alle Folgeprojekte, darunter die geplante Infrastruktur und ein nahegelegener Tiefseehafen, komplett gestoppt wurden. Nach einer Phase des schleichenden Niedergangs und den weltweiten pandemischen Reisebeschränkungen geriet das Hotel endgültig in die wirtschaftliche Schieflage und schloss für immer seine Pforten.

Das Bauwerk bricht radikal mit traditionellen Stilen und setzt voll auf futuristische, fast schon protzige Postmoderne. Ein massiver, stufenförmiger, pyramidenartiger Komplex mit insgesamt 9 Etagen, der direkt an den Strand gebaut wurde. Konzipiert als 5-Sterne-Resort mit über 100 ultramodernen Zimmern und Suiten. Die opulente Architektur bot Platz für weitläufige Restaurantbereiche, Casinos, Diskotheken sowie insgesamt 4 miteinander verbundene Poolanlagen im Innen- und Außenbereich. Die Fassade wird dominiert von markanten, Balkonkonstruktionen aus Glas und Stahl, die jedem Gast einen direkten, unverbauten Meerblick bieten sollten. Das Foyer war einst für seinen riesigen, extravaganten Swarovski-Kronleuchter bekannt. Heute regiert im einstigen Luxustempel die absolute Leere. Während der Strandabschnitt davor langsam verwildert und gelegentlich von frei herumlaufendem Vieh als Weide genutzt wird, nagt das subtropische Meeresklima unbarmherzig an der Substanz. Die riesigen, leeren Poolbecken füllen sich bei Regen mit Brackwasser und bilden eine postapokalyptische Kulisse, die in starkem Kontrast zu den noch erkennbaren Palmenreihen der Promenade steht.

Amphietheater

Auch hier ist schon lange kein Leben mehr. Das Meer knabbert auch schon an den Fundamenten.

Das Heilimperium

Tief im Kaukasus verbirgt sich eine der monumentalsten Ansammlungen verlassener Sanatorien weltweit. Einst ein exklusives Mekka für die Elite und die Arbeiterklasse eines untergangenen Riesenreiches, erobert heute die Natur die Sanatorien, Hotels und säulenbesetzten Paläste zurück.

Die Geschichte des Ortes begann mit der Entdeckung hochwirksamer, radonhaltiger Thermalquellen. Im vergangenen Jahrhundert wurde das Areal im großen Stil kolonisiert. Jedes Ministerium und jede Berufsgruppe – von Bergleuten bis hin zu Metallurgen – erhielt ihren eigenen, prunkvollen Palast im Stil des sozialistischen Klassizismus. Selbst der berüchtigtste Diktator des Regimes besaß hier ein privates Badehaus. Mit dem plötzlichen Zusammenbruch des Staatsgefüges kollabierte auch das Kursystem. Die Luxushotels leerten sich über Nacht. Wenig später dienten die riesigen Komplexe jahrzehntelang als provisorische Zuflucht für Tausende Geflüchtete eines regionalen Krieges, die den sterbenden Prunk mit provisorischen Holzbauten und Wellblech an die Realität des Überlebens anpassten.

Es gab einst 19 gigantische Sanatorien und 9 zentrale Badehäuser, eingebettet in einen riesigen, kreisförmig angelegten Kurpark. Charakteristisch sind monumentale Säulenhallen, monumentale Freitreppen, kassettenverzierte Decken mit schwerem Stuck und riesige Lichtkuppeln. Die größten Einzelkomplexe boten Platz für über 300 Betten pro Gebäude. In der Hochphase wurden hier jährlich über 100.000 Kurgäste durchgeschleust. Jedes Sanatorium funktionierte als autarke Kleinstadt mit eigenem Theatersaal, Kino, Großküche, Bibliotheken und weitläufigen unterirdischen Versorgungstunneln. Die Badehäuser im Zentrum nutzen direkt die natürlichen Quellen, die mit einer konstanten, angenehmen Eigentemperatur von 33°C bis 35°C ohne künstliche Erhitzung in die kreisrunden, futuristisch anmutenden Becken geleitet wurden.

Der Ort befindet sich in einer rasanten Übergangsphase. Während einige der gigantischen Ruinen nach der Umsiedlung der Bewohner an Investoren verkauft wurden und bereits entkernt, renoviert oder streng bewacht werden, stehen andere Komplexe weiterhin komplett offen. Der Verfall ist weit fortgeschritten: Decken brechen ein, der charakteristische blaue und grüne Putz blättert von den Wänden, und meterhohe Sträucher wachsen durch die einstigen Tanzsäle. Ein absolutes Paradies für Urbexer – solange die verbleibenden Ruinen noch stehen.

Sanatorium Metalurgist

Badehaus Nr. 5

Sanatorium Gelati

Sanatorium Imereti

Badehaus Nr. 8

Sanatorium Sakartvelo

Sanatorium Savane Hotel

Spielplatz

Sanatorium Kolkheti

Sanatorium Medea

Hotel Aia

Sanatorium Filiali

 

SU 15

Wir finden eine ausgemusterte Suchoi SU-15T der sowjetischen Luftstreitkräfte, die hier auf einem verlassenen Grundstück steht. Die Maschine ist weitgehend in ihrem originalen Tarnmuster erhalten, aber historisch und technisch stark entkernt, da sämtliche Bordinstrumente und Elektronikbauteile entfernt wurden. Es handelt sich um ein Exemplar der Su-15 Flagon, einem zweistrahligen Überschall-Abfangjäger, der ab 1967 im Dienst der sowjetischen Luftverteidigung stand. Leider musste diese Erkundung im strömenden Regen stattfinden.

Mosaik Schwimmbad

Tief im Herzen einer osteuropäischen Industriestadt verbirgt sich ein Relikt monumentaler Freizeitarchitektur. Bekannt für seine gigantischen, farbenprächtigen Wand- und Bodenmosaike, spiegelt dieser verlassene Sportkomplex den typischen Drang vergangener Epochen wider, Sportstätten mit monumentaler Kunst zu verschmelzen.

Errichtet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Teil eines staatlichen Fitness- und Massensportprogramms, diente der Komplex jahrzehntelang als prestigeträchtige Trainingsstätte und urbaner Treffpunkt. Die aufwendigen Mosaike zeigten maritime Motive, mythologische Figuren und gut durchtrainierte Sportler.

Mit dem politischen Umbruch und dem Zusammenbruch des alten Systems vor einigen Jahrzehnten blieben die staatlichen Gelder aus. Der Komplex wurde privatisiert, hielt sich noch einige Jahre über Wasser, wurde jedoch im frühen 21. Jahrhundert aufgrund mangelnder Rentabilität und immenser Betriebskosten endgültig geschlossen.

Manganwäsche

Tief in den zerfurchten Tälern des Kaukasus, wo der Staub der Jahrzehnte schwer auf den rostigen Relikten der Sowjetära liegt, thront eine monumentale Anlage der Schwerindustrie. Die Rede ist von einer der einst bedeutendsten Manganwäschen der Region – ein Ort, an dem Geologie auf brutale Ingenieurskunst traf.

Bereits im späten 19. Jahrhundert wurde die strategische Bedeutung der hiesigen Erzvorkommen erkannt. Mit dem Aufstieg der UdSSR zur Industriemacht verwandelte sich das verschlafene Tal in ein mechanisches Herzstück der Stahlproduktion. Die Anlage wurde als zentrales Glied der Kette konzipiert. Das in den umliegenden Minen abgebaute Rohmangan musste gereinigt und von Sedimenten befreit werden, bevor es seinen Weg in die Schmelzöfen der Welt antreten konnte. Über Jahrzehnte hinweg brüllten hier die Maschinen im Dreischichtbetrieb, befeuert durch den unersättlichen Hunger des Ostblocks nach Legierungsmetallen.

Mit dem Zerfall der Strukturen in den 90er Jahren und dem Ausbleiben notwendiger Modernisierungen begann der schleichende Verfall. Heute ist die Wäsche ein monumentales Mahnmal der Industriegeschichte – ein Spielplatz aus Stahl, Schatten und Stille.

Die Wäsche arbeitete primär mit nassmechanischen Trennverfahren. Das Erz wurde über mehrstufige Siebanlagen und Hydrozyklone von taubem Gestein getrennt. Ein komplexes System aus Schwerlast-Förderbändern und den charakteristischen Pendelseilbahnen speiste die Anlage direkt aus den höher gelegenen Stollen. In ihrer Blütezeit war die Anlage für den Durchsatz von mehreren hunderttausend Tonnen Rohmaterial pro Jahr ausgelegt. Die Struktur ist eine klassische Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit eingehängten Stahlbühnen, die sich über mehrere Ebenen erstreckt, um die Schwerkraft beim Waschprozess zu nutzen.

Was heute bleibt, ist eine architektonische Hülle. Während die massiven Betonsilos und die Stahlträger der Zeit trotzen, haben Korrosion und Diebstahl die feineren Apparaturen gezeichnet. Das Innere der Hallen ist geprägt von einer Schicht aus schwarzem Manganstaub, der alles überzieht und die Luft schwer erscheinen lässt. Die Natur erobert sich die Außenbereiche langsam zurück – Sträucher brechen durch den Beton, während die Seile der Transportbahnen wie tote Nervenstränge im Wind schwanken.

Manganwäsche 1

Manganwäsche 2

Temur-Magradze-Stadion

Inmitten einer zerklüfteten Industrielandschaft im Kaukasus, dort wo Seilbahnen wie rostige Käfer über tiefe Schluchten gleiten, liegt ein Relikt sowjetischer Sportarchitektur. Das Stadion ist ein stiller Zeuge einer Ära, in der Sport als Ausdruck staatlicher Stärke und kollektiver Identität zelebriert wurde.
Errichtet in den 1960er Jahren, diente die Anlage als stolzes Heimstadion für den örtlichen Bergbau-Fußballclub und hatte ein Fassungsvermögen von 11.700 Zuschauern. In den Jahrzehnten nach seiner Eröffnung war es das pulsierende Herz der Stadt, ein Ort für Massenveranstaltungen und sportliche Höchstleistungen unter dem Banner der Mangan-Industrie.

Der Wendepunkt kam mit einer schweren Naturkatastrophe im Frühjahr 1991. Ein massives Erdbeben erschütterte die Region und fügte der Bausubstanz irreparable Schäden zu. Während andere Teile der Stadt mühsam wiederaufgebaut wurden, geriet das Stadion in eine Spirale aus Vernachlässigung und fehlenden Mitteln. Heute hat die Natur begonnen, sich die Ränge zurückzuholen. Zwischen den Betonstufen wächst Gras, und die einst prächtigen Mosaike – typisch für die sowjetische Moderne – bröckeln langsam von den Wänden. Trotz der sichtbaren Baufälligkeit wird der Platz gelegentlich noch für lokale Spiele genutzt, was dem Ort eine surreale Mischung aus „Lost Place“ und gelebtem Alltag verleiht.

Sanatorium Libani

Tief in den bewaldeten Tälern Georgiens, wo die Luft dünn und das Klima seit Jahrhunderten als heilend gilt, ragt ein steinernes Zeugnis vergangener Epochen aus dem Grün. Das ehemalige Sanatorium – ein Prachtbau im Stil des Empire-Klassizismus – diente einst als letzte Hoffnung für Lungenkranke und als Erholungsort für die Elite.
Die Wurzeln des Areals reichen bis in die Zarenzeit zurück. Die Region wurde bereits im späten 19. Jahrhundert durch den Adel als Kurort erschlossen. Das heutige Hauptgebäude entstand jedoch erst Jahrzehnte später im Rahmen der massiven Ausweitung des sowjetischen Gesundheitswesens. Unter der Leitung renommierter Architekten wurde hier ein medizinischer Komplex geschaffen, der Funktionalität mit imperialem Glanz vereinte.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verfiel das Gebäude zusehends. In den 1990er Jahren diente es zeitweise als Notunterkunft für Geflüchtete aus regionalen Konflikten, bevor es schließlich komplett aufgegeben wurde.

Das Sanatorium besteht aus einem T-förmiges Hauptgebäude mit angeschlossenem Rundflügel, das vermutlich den ehemaliger Speisesaal oder Festsaal darstellte. Die Hauptfassade erstreckt sich über eine Länge von circa 150 Metern. Drei oberirdische Etagen, die mittlere Etage beherbergte allein über 80 Patientenzimmer. Weiterhin markante Rundbogenportale im Eingangsbereich, geschwungene Korridore und eine massive Steinkonstruktion, die für die Ewigkeit gebaut schien.

Das Gebäude wurde in den letzten Jahren vollständig entkernt. Alle dekorativen Details, Stuckarbeiten und Bodenbeläge wurden entfernt, übrig geblieben ist das nackte Steinskelett. Aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Ruine nicht dem Verfall überlassen bleibt: Der Umbau als Hotel oder Luxusressort steht im Raum, aber davon können wir nichts sehen.

Theater des Heilwassers

Dieses Gebäude beherbergte im Erdgeschoss die Abfüllanlage des Heilwassers. Das Wasser erreicht die Erdoberfläche ununterbrochen mit einer Temperatur von ca. 38-41°C. Während 1854 lediglich 1.350 Flaschen jährlich produziert wurden, stieg die Kapazität nach technischer Aufrüstung bis 1913 auf über 9 Millionen Einheiten.
Während der Sowjetära erfuhr das Werk massive Erweiterungen. Es wurde zum Statussymbol und Exportgut Nummer eins, das bis zu 15 Länder belieferte. In den 1950er-Jahren verlagerte sich die Produktion jedoch zunehmend in modernere Großkomplexe am Stadtrand, da das historische Gebäude den enormen Nachfragespitzen räumlich nicht mehr gewachsen war. Heute steht der historische Kern der Anlage als industrielles Denkmal zwischen Verfall und Konservierung. Wie es schien wird jetzt aber hier renoviert. Das Gebäude stand offen und wir nutzten die Gelegenheit es uns anzusehen. Im Obergeschoss finden wir einen Theatersaal der scheinbar auch schon Jahre nicht mehr genutzt wird. Hier werden jetzt weihnachtliche Figuren gelagert.